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Carpe Diem

ARMENIEN – IRAN 2016

Armenien – Iran        :    eine Verbindung von Europa und Orient
ایران Armenien

Karte Projekt Armenien_Iran
Die Reise – Route

Die neuste Veloreise ist inzwischen (Herbst 2016) schon Vergangenheit, aber für mich beim Ordnen der Bilder sofort wieder lebendige Gegenwart mit vielen bleibenden Eindrücken

  • von Tbilisi (Georgien) durch Armenien und den nördlichen Iran bis Isfahan
  • Zwei Länder mit einer langen Geschichte, grossen Kultur und fremden Sprachen
  • Städte, Seen, Bergpässe, Meer, Klöster, Moscheen, Märkte, …. und viel Natur !
  • 37 Tage
    mit 23 Reise-Etappen,

    mit 2’290 km und rund 23’300 Höhenmeter

Die Reisezeit verbringe ich nicht gerne mit Schreiben (wäre auf dem iPhone auch etwas mühsam!),  deshalb gibt es auch keinen Reise-Blog von unterwegs.
Ein Reisebericht als Tagebuch folgt dann stückweise im Laufe des Winters 2017/18 anhand meiner Notizen von unterwegs…

>> Vorläufig die über GPS aufgezeichnete Route mit einigen Photos von unterwegs
(die Karte heranzoomen / vergrössern und automatisch ablaufen lasen oder im linken Feld die Photos anklicken und schauen, wo das war . . . ):

http://www.a-trip.com/tracks/view/186644

. . . und ausführlicher ausgewählte Bilder in 3 Blöcken:

1.   aus dem Abschnitt Armenien (von der georgischen Hauptstadt Tbilisi bis zur iranischen Grenze)

Armenien 2016

2.   aus dem Iran (von der Grenze über Täbriz und die Küste des Kaspischen Meer bis nach Teheran)

Iran 2016-1

3.   und schliesslich aus dem letzten Abschnitt (von Teheran bis Isfahan)

Iran 2016-2

Armenien – Iran 2016    ein Reisetagebuch

1.Teil :

von Tbilisi durch Armenien bis zur iranischen Grenze

Übersicht zum 1.Teil
Tbilisi bis zur iranischen Grenze

Am Montag 18. April  fliege ich mit Pegasus-Airlines von Zürich über Istanbul in die georgische Hauptstadt Tbilisi. Der Taxifahrer vom Old Town Hostel holt mich am 19. April um 03.00 Uhr am Flughafen ab und bringt mich zur Übernachtung ins alte Stadtzentrum.

Es ist bereits mein dritter Aufenthalt in der georgischen Hauptstadt. Ich nutze den Tag für ausgedehnte Spaziergänge und kann dabei mit den Aufenthalten von 1998 und 2011 vergleichen: die Moderne hält gnadenlos Einzug, der Fortschritt ist unübersehbar und sicher auch positiv, aber den westlichen Touristen  beschleicht auch etwas Wehmut; viele historische Winkel und Gebäude sind verschwunden oder so herausgeputzt, dass sie nicht mehr natürlich wirken. Aber das ist vielleicht der Preis des Fortschritts . . .

Tbilisi

Die erst 2005 fertiggestellte Anlage der Zminda-Sameda-Kathedrale, die elegante „Friedensbrücke“ aus Glas und Stahl über die Kura und der pompöse Präsidentenpalast mögen der Stolz der Georgier sein, aber eine „Aura“ fehlt ihnen trotzdem. Mich fasziniert beim jetzigen Kurzaufenthalt mehr die Sonderausstellung im National-Museum „Russische Besetzung 1920 – 1990“, die die jüngere Geschichte von einer anderen, allerdings kaum vollständig objektiven Sicht aufzeigt.

Mi, 20.April   Tbilisi (Georgien) – Alaverdi (Armenien)               121 km

Mein Velo habe ich am Vortag ausgepackt und vorbereitet: alles in Ordnung. So starte ich frühmorgens an der alten Kura-Brücke ostwärts, zunächst im dichten Morgenverkehr Richtung Telavi, dann nach 10 Kilometern deutlich gemütlicher auf der Nebenstraße Richtung Marmel. Immer mehr „Provinz“, leicht hügelig, Landwirtschaft mit Weiden und kargen Feldern, ab und zu ein Dorf oder eine Kleinstadt mit niedrigen Häusern und Plattenbauten. Am Horizont werden schneebedeckte Hügel

Grenze Georgien-Armenien

sichtbar.

Bis zum Grenzübergang nach dem Dorf Sadakhlo hat es kaum Verkehr , obwohl dies die direkteste Straßenverbindung zwischen der georgischen und der armenischen Hauptstadt ist . Auch die Baustelle des grossen „Cuomos Terminal“ ruht halbfertig neben der Straße. Die Grenzkontrolle ist innert 5 Minuten erledigt. Im armenischen Grenzgebäude kann ich zum ersten Mal heute endlich einen Kaffee genießen.

Alaverdi (arm.)

Die Straße führt leicht ansteigend durch das enge Tal des Debed. Nach einer halbstündigen Siesta im trockenen Gras stosse ich auf Endeka aus Bilbao, der seit Februar unterwegs ist nach Singapur und auch heute in Tbilisi gestartet ist. Gemeinsam erreichen wir den heutigen Etappenort Alaverdi. Die teils baufälligen Fabrikanlagen dieser Stadt lassen den früheren Reichtum aus dem Bergbau nur noch erahnen. 2 km nach der Stadt finden wir das heutige Ziel: „Iris Guesthouse“: ruhige Lage, freundliche Zimmer, traditionelle armenische Küche und eine sehr offene freundliche Familie. Einzelzimmer umgerechnet für 18 Euro, ein üppiges Nachtessen inkl. Morgenessen für 8 Euro. Beim üppigen Nachtessen macht der 7-jährige Sohn am Schachbrett unter Kontrolle des Vaters seine Schulaufgaben: Schach ist Nationalsport und Pflichtfach an jeder Schule.

Do, 21.April              Alaverdi – Dilijan                           88 km

Die Straße führt mit kurzen Steilabschnitten und viel und unbeleuchteten Tunnels durch das enge bewaldete Tal des Debed weiter  nach Südwesten. Die wenigen Dörfer liegen meist seitlich  in der Höhe. Nach 45 km öffnet sich das Tal bei der Kreisstadt Vanadzor (ehemals Kirovakan), einer post-sowjetischen Industriestadt, in der seit

Die „Schwarze Kirche“

dem Niedergang der chemischen Industrie die Luft erträglich und die Sonne wieder sichtbar geworden sind. Sehenswert ist vor allem die aus dunkelbraunen und rosafarbenen mächtigen Natursteinquadern erbaute  „Schwarze Kirche“ sowie der danebenliegende Friedhof: neben jahrhundertealten Kreuzsteinen Gräber mit zum Teil skurrilen Figuren aus sowjetischer Zeit. Im geschäftigen Zentrum finden wir auch den ersten Bancomat, wo Endeka endlich armenisches Geld beziehen kann.

Nach einem Sandwich im modernen „Jazz-Café“ trennen  sich unsere Wege: er fährt weiter über Spitak Richtung Yerevan, ich decke mich mit Zwischenproviant und Wasser ein und nehme die Pass-Straße nach Osten in Angriff. Von 1300 m geht es auf 1’850 m, anfangs recht steil, aber fast ohne Verkehr.

Molokanen-Dorf

Nach 20 km durch offenen Nadel- und Birkenwald mit Weideflächen öffnet sich ein breites Hochtal, die umgebenden Berge sind noch schneebedeckt. Die wenigen kleinen Dörfer sind umgeben von gepflegten Feldern und abgezäunten Weiden; Lermontov, Marjanovic und Fioletovo sind Siedlungen der Molokanen, die als „Altgläubige“ im 18.Jh. Russland verlassen mussten und hier in bescheidenen Verhältnissen traditionelle Landwirtschaft betreiben, deren unverdorbene Produkte in der Region sehr geschätzt werden.
Nach einer steilen Abfahrt auf einer Straße mit vielen Löchern erreiche ich das regionale Zentrum Dilijan und meine nächste Unterkunft. Das „Nina B&B“ liegt am Ende einer steilen Straße mit schöner Aussicht über das Tal. Ich bin der einzige Gast. Da es noch über 3 Stunden hell ist, nehme ich mir ein Taxi zum Besuch des Klosters Haghartsin im dichten Wald eines steilen Seitentales, etwa 20 km nordöstlich von Dilijan. Die 3 Kirchen stammen aus dem 11. – 13. Jh. Nach dem allmählichen Zerfall in der Sowjet-Ära, als hier nur 2 Mönche ausharrten ,lebt hier wieder eine größere Gemeinschaft. Die Restauration ist nun weitgehend abgeschlossen und stand gemäß einer Tafel auf dem Hauptplatz  unter dem gemeinsamen Patronat des armenischen Katholikos (dem „Papst“) und des Emirs von Schardschah (sehr konservatives Emirat der VAR) –  erstaunliches Zusammentreffen von Christentum und Islam!

Die Zeit reicht noch zu einem Abstecher nach Goshavank, einem weiteren Kloster aus dem 12.Jh.  in einem kleinen Bergdorf. Wie alle armenischen Kirchen sehr einfach und schmucklos, düster. Dafür aber reich an aus dem Stein gehauenen Reliefs und kunstvollen „Katschkhars“, Kreuzsteinen.

Dilijan ist wegen seiner bergigen Umgebung als „Schweiz Armeniens“ ein beliebter Ferienort. Jetzt zu Beginn des Frühlings wirkt die Stadt aber trotz der vielen Restaurants und Hotels noch recht trostlos; die kleine „Old Town“ mit den traditionell geschnitzten Häusern wirkt eher wie ein Museum.

Beim ausgezeichneten Nachtessen mit den Gastgebern des B&B gibt es interessante Gespräche über Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Politik und vor allem auch Probleme im heutigen Armenien. Eingeklemmt zwischen der Türkei und Aserbeidjan ist das Land immer noch froh um gute Beziehungen zu Russland und vor allem auch zum Iran, von wo ein wesentlicher Teil der lebenswichtigen Importgüter kommt.

Fr. 22.April              Dilijan – Yerevan                           112 km

Es schneit ! Als zunächst gemütlich frühstücken in der Wärme. Um 9 Uhr ist es 6°C und regnet nur noch leicht, also Start mit Regenkleidung und Handschuhen Richtung Sevan-Pass. Es hat deutlich mehr Verkehr, aber die Straße ist breit genug für Lastwagen und Velo. Und mit der Steigung wird das Wetter besser und auch schon schnell wärmer. Nach 6,5 km weist ein kleiner Wegweiser zum  „Park Kompositorov“: In der Sowjetzeit standen hier an einem sonnigen Südhang den verdienten

im Komponisten-Park

Komponisten Häuser großzügige Häuser zur Verfügung, wo sie in Ruhe ihre Kunst pflegen konnten. Die richtige Zufahrt kann ich in den Bäumen nur anhand der alten Straßen Lampen erahnen. So gelange ich nach 1 km an ein Gittertor mit einem wild kläffenden Schäferhund. Ein gemütlicher Mann öffnet mir die Kette des Durchgangs und bestätigt, dass ich schon am richtigen Ort sei; ich könne einfach weiter und werde schon selber alles finden. Die Häuser liegen verstreut zwischen den Bäumen, verwitterte Holzschilder zeigen noch, wer darin wohnte. Einige der Häuser haben kaputte Dächer und verfaulte Fensterläden, in wenigen Jahren werden sie wohl zusammenfallen. In einiger Entfernung erreiche ich ein grosse Gebäude, auf dem Vorplatz stehen 3 Autos, ein Autoradio läuft, aber kein Mensch sichtbar. Es ist das Künstlerzentrum mit Restaurant, Bar, Kino, Bibliothek, einem kleinen Konzertsaal, . . .  – alles verlottert. Einige Arbeiter scheinen hier mit etwas Flickarbeit den Untergang aufhalten zu wollen, aber anstrengen tun sie sich dabei sicher nicht. Den Besucher beachten sie kaum, ich kann mich überall umschauen, in den Stapeln der Bücher wühlen, auf dem verstimmten Flügel klimpern, auf welchem angeblich in jungen Jahre Sergej Rachmaninoff gespielt haben soll, auf dem grossen Balkon durch die noch kahlen Bäume die Aussicht zu den Weißen Berghängen genießen.
Weiter bergwärts stosse ich schließlich auch noch auf das grosse Konzerthaus. Durch die schmutzigen Panoramafenster ein Blick auf die Reihen mit hölzernen Klappsitzen und die grosse Bühne mit 2 Konzertflügeln. Vor dem Gebäude fault in einem halbvollen Schwimmbecken grünes Wasser. Ein Denkmal des Verfalls einer einst geachteten und gefürchteten Kultur!

unterwegs zum Sevan-Pass

Inzwischen ist es sonnig und angenehm warm geworden. Auf der Hauptstraße geht es weiter bergwärts bis zum Eingang des 2,3 km langen Tunnels. Ich ziehe die alte Pass-Straße vor , die zwar in sehr schlechtem Zustand  und teilweise mit Geröll übersät ist, aber dafür viel Aussicht bietet. Das einzige Auto, das mir hier begegnet, begrüßt mich mit lautem Hupen; nach dem üblichen „Woher? Wohin“ warnen mich die vier Burschen vor den grossen Hunden im nächsten Dorf. Auf der noch leicht verschneiten Passhöhe (2’120 m.ü.M.) öffnet sich der der Blick zum Dorf Semyonovka und durch einen Einschnitt am Horizont ist das Blau des Sevan-Sees sichtbar. Ich lege vorsorglich einige Steine bereit und stosse mein Velo an den die ersten Häuser mit Hunden langsam vorbei. So bleibt es bei lautem Gekläffe, aber die riesigen Biester kann ich auf Distanz halten, und sicherheitshalber bleibt das Velo immer als Schutz zwischen ihnen und mir. Eine bewährte Methode, die ich vor Jahren in Kirgistan von unserem russischen Begleiter gelernt habe.

auf der Halbinsel Sevan

Nach kurzer Abfahrt und einigen Kilometern auf der stark befahrenen Hauptstraße aus dem Tunnel erwartet mich an der Abzweigung zur Halbinsel Sevan bereits ein Autofahrer; meine Gastgeber in Dilijan haben ihn schon organisiert, da ich beabsichtigt hatte, eventuell hier zu übernachten. Die Halbinsel Sevanavank ist ein sehr beliebter und auch sehr lohnender Ausflugsort. Von dem bereits im 9.Jh. gegründeten Kloster bestehen heute nur noch zwei kreuzförmige Kirchen, die den Hügel an der Spitze der Halbinsel dominieren. Dieser war ursprünglich eine Insel, die auch als sicheres Refugium gegen mongolische und osmanische Invasoren galt. Der See ist 78 km lang, bis zu 56 km breit und damit rund doppelt so groß wie der Bodensee. Die Landverbindung vom Klosterhügel entstand erst im 20. Jahrhundert, als die Wasserreserven des Sees für landwirtschaftliche Bewässerungen  und Stromerzeugung genutzt und der Seespiegel dadurch um insgesamt 22 m abgesenkt wurde. Mit der Zuleitung von Wasser durch zwei insgesamt 70 km lange Tunnels aus zwei Flüssen im Süden Armeniens konnte der Wasserspiegel seit 2004 um rund 2 Meter angehoben werden und liegt nun knapp über 1900 Meter Meereshöhe.

Nach ausgiebiger Besichtigung der beiden Kirchen und einem Rundgang über die Bergkuppe beschließ ich, heute noch nach Yerevan hinunter zu fahren. „Hinunter“ entpuppt sich aber in den folgenden Stunden als Trugschluss: auf der vierspurigen Straße mit breitem Seitenstreifen für mich geht es gut 45 km weit endlos auf und ab, und erst die letzten 25 km werden erholsam. So erreiche ich im dichten Abendverkehr die gut 900 m tiefer liegende Hauptstadt und finde gegen 19 Uhr mein „Ohne Way Hostel Sakharov“, in einer ruhigen Seitenstraße und doch fast im Stadtzentrum. Eine kurze „Katzenwäsche“, und dann ein erster Erkundungs-Spaziergang mit Nachtessen und zurück ins Hotel für die Wäsche und endlich schlafen. Ich habe 2 ganze Tage vor mir, um mich hier zu erholen und in Ruhe die Stadt zu besichtigen . . .

Sa/So, 23./24.April                                                       „Yerevan Sightseeing“

am „Platz der Republik“

Yerevan ist eine äußerst lebhafte Stadt. Die im 5.Jh. gegründete Siedlung an der Kreuzung wichtiger Karawanenwege war ein Verwaltungszentrum im persischen Reich und wurde. Mit der russischen Eroberung 1827 wurde Yerevan zu einem Zentrum der Armenier; architektonisch erhielt die Stadt  in den 1920-er Jahren die heutige schachbrettartige Form mit den umlaufenden Ringstraßen. Dieses geometrische Straßennetz erleichtert dem Besucher die Orientierung.

Ich nutze  den ersten Besichtigungstag zuerst für einen Ausflug zum „Vatikan der armenischen Kirche“: Etchmiadzin, knapp 20 km westlich der Hauptstadt, ist das geistliche und administrative Zentrum und Sitz des „Katholikos“ (Patriarch) der Armenischen Kirche. Leider scheint mein armenischer Taxifahrer aber davon keine Ahnung zu haben und setzt mich erst nach einigem Rumfragen am richtigen Ort ab.

Den Hauptzugang zum grossen Gelände beherrscht das 2001 für den Besuch von Papst Johannes Paul errichtete Portal. Die im

Eingang Echmiadzin

5.Jh. errichtete und seither ständig erweiterte Hauptkirche „Mayr Tachar“ mit dem grossen Tor-Vorbau ist leider wegen Renovationsarbeiten innen und aussen fast ganz durch Gerüste verdeckt; frei sichtbar ist nur der prächtige Eingang. Mehr zu sehen gibt es im danebenliegenden Museum: neben reich bebilderten alten Bibeln, Reliquien, Gewändern und Schmuck früherer Katholikos’ auch  eine Speerspitze, mit welcher die Römer angeblich den Tod von Jesus geprüft haben sollen (???). Lohnend und viel ruhiger ist es bei der St.Gayane Kirche, die trotz der groben Formen, wie sie alle armenischen Kirchen haben, mit ihren rosafarbenen Steinquadern fast zart wirkt.
Nach 3 Stunden Spaziergang durch die Anlagen mit Park, Kirchen und Seminar-Gebäuden geht es zurück in die Stadt. Diesmal wähle ich den Bus und gelange für 100 Dram (20 Rp.) direkt ins Zentrum.

Die Stadt ist in manchen Quartieren sehr modern. Mit den breiten Trottoirs und einer diagonal verlaufenden Fußgängerzone ist sie auch trotz starken Verkehr sehr Fußgänger freundlich. Meine Besuchs-Schwerpunkte sind

  • der Opernplatz, auf dem sich Familien mit Kindern vergnügen, zwischen Cafés und Bistros, daneben Grünanlagen mit Teichen
  • die Cascade, eine Folge von treppenartig gegliederten und durch Brunnen aufgelockert Bauten, die der Kunstsammler
    Cascade mit „Mutter Armenia“

    Gerald Cafesijan als vielseitiges Museum erstellen ließ. Neben der prächtigen Aussicht von der obersten Plattform aus dem höheren Bereich über die Stadt und bis zum Ararat sind die vielfältigen Skulpturenunterwegs über die Tausenden von Stufen und zwischen den Beizen am Fuß der Anlage sehr interessant und oft auch sehr lustig. Krass ist daneben der Gegensatz zur 23 m hohen metallenen „Mutter des Volkes“ auf der Bergkuppe über dem halb zerfallenen Betonklotz, der seinerzeit als Museum „50 Jahre sowjetisches Armenien“ gebaut worden war. Diese Statuen stehen mit erhobenem Schwert so oder ähnlich wohl noch in jeder Hauptstadt der ehemaligen Sowjetunion. Hier ersetzte sie eine 1953 gestürzte Stalin-Statue. Wieviel wohltuender dagegen die vielfältigen und sehr natürlich wirkenden Statuen von berühmten oder auch alltäglichen Zeitgenossen, die einem unterwegs in Parks und auf Plätzen begegnen.

  • Der „Platz der Republik“: am Nachmittag und Abend wohl der belebteste Platz, umgeben von imposanten bogenförmigen Gebäuden aus crème- und ockerfarbigen Quadern, darunter das Nationalmuseum, die Nationale Kunstgalerie, ein Regierungsgebäude und das Marriott-Hotel. Im Zentrum des Platzes ein polierter Marmorboden und einer Hälfte ein grosser Teich mit Wasserspiel und nachts bunten Lichtern.
  • Der Vernissage-Markt (Samstag und Sonntag), wo Künstler und Kunsthandwerker ihre Produkte sowie Antiquitäten anbieten. Zwischen Kunst und Kitsch gibt es hier alles zu finden.
  • Ein armenischer Gottesdienst (in der Surp Sargis): wie alle orthodoxen Gottesdienste sehr lang, aber immer wieder begleitet vom polyphonen Gesang einer kleinen Gruppe auf der Empore, im Gegensatz zu anderen orth. Riten auch mit Orgel-Begleitung.
  • Endlose Spaziergänge, um die einzigartige Atmosphäre dieser Stadt aufzunehmen, Menschen beobachten, in Gesprächen Meinungen zur Politik, zur Vergangenheit, zum heutigen Alltag zu sammeln, dazwischen kleine Spezialitäten zu kosten, . . .
Mitternacht am Genozid-Memorial

Zufällig ist am Montag hier gerade der Jahrestag zur Erinnerung an den Völkermord von 1915. Ich begleite am Vorabend den riesigen Umzug vom Opernplatz zur Genozid-Gedenkstätte. Bei Einbruch der Dämmerung sammeln sich Tausende mit Fackeln und Armenien-Wimpeln vor der Oper, neben Musik aus Lautsprechern ertönen auch immer wieder Parolen. Im allgemeinen festlich-friedlich, nur kurz wird es fast bedrohlich, als unter Gejohle eine türkische Fahne verbrannt wird. Die Straßenbeleuchtung ist ausgeschaltet, im Schein der Fackeln und teilweise begleitet von Gesang setzen sich Zehntausende zur fast 5 km entfernten Gedenkstätte in Bewegung. Gut 1 ½ Stunden später kommen wir auf dem Hügel gegenüber der Hauptstadt an, wo unter dem Schutz der gegeneinander geneigten Obelisken das ewige Feuer brennt, umgeben von eine Blumenmeer. Alle Teilnehmer des Marsches weilen kurze Zeit andächtig hier, bevor sie wieder hinaus auf die riesige Plattform treten. Nur der Schein dieses Feuers in der dunklen Nacht, höchstens leise Gespräche –  ein wirklich eindrückliches Erlebnis!
Ich nutze den Montagmorgen gleich noch für einen ausgiebigen Besuch des auf dem gleichen Areal liegende Genozid-Museums. In Bildern, Filmen und Berichten von Zeitgenossen wird dieser unglaubliche Völkermord mit seiner ganzen Vor- und Nachgeschichte ins Bewusstsein gerufen wird. Weshalb nur kann das von vielen immer noch nicht anerkannt werden ???

Mo, 25. April                                    Yerevan –  Sevan  (Taxi)

Die Bahn auf der Strecke Yerevan – Sevan fährt leider nur noch am Wochenende. Mit Hilfe eines Velo-Verkäufers habe ich mir
aber am Sonntag  für Montag-Nachmittag ein Taxi reservieren können. Für die Strecke 900 m bergwärts hinauf zum See verzichte ich gerne auf die eigene Kraft; lieber spare ich mir etwas davon noch für die kommenden Pässe. Nach etlichen Rückrufen beim Velohändler taucht der Taxifahrer schließlich mit 2 Stunden Verspätung auf. Aber Josef ist sehr nett und hat sogar einen Veloträger an seinen Mercedes montiert. So komme ich nach unterhaltsamer Fahrt gegen Abend wieder auf der Sevan-Halbinsel an und beziehe im Hotel Kambus, wo ich 3 Tage zuvor reserviert habe, mein „Zimmer“: eine 3-Zimmer Wohnung, für 18’000 AMD, rund 36 Franken. Ich bin der einzige Gast. Nach einem  Spaziergang am einsamen Sandstrand spaziere ich zum Nachtessen einen km zur Hauptstraße zurück, wo im Restaurant am Seeufer immerhin noch zwei einheimische Gäste sind und ich einen feinen gebratenen „Sig“, den typischen Fisch des Sees erhalte. Dass das Bier statt 700 wie auf der Speisekarte nun auf der Rechnung plötzlich 1’000 AMD kostet, erklärt mir der Wirt ganz einfach: es wurde leider gerade 2 Tage zuvor im Laden teurer . . .

Di, 26. April                          Sevan – Yeghenadzor     126 km

Im kleinen Restaurant ist es zwar auch um halb neun noch bitter kalt, aber die Konfitüre aus grünen Nüssen, die mir neben den üblichen Eiern, Würsten, Bohnen, Gurken usw. noch aufgestellt wird, ist etwas ganz Besonderes!

Um halb zehn starte ich bei bewölktem Himmel und 17 Grad wieder zur Hauptstraße und nach 9 km von dieser weg auf die Straße ostwärts dem Südufer des Sevan-Sees entlang. Wie vielerorts liegt das Asphaltband auch hier mehrere Zentimeter über dem Bankettstreifen, worauf ständig zu achten ist, wenn man am Rande fährt. Und gleich zu Beginn überstehe ich beim Ausweichen für einen knatternden Lastwagen einen Sturz auf den rauhen Asphalt mit nur einigen schweren Schürfungen, weil ich kurz neben den Asphalt gerate und automatisch versuche, sofort zurück auf die Straße zu gelangen. So geht es mit eingebundenem Unterarm bald weiter. Ich notiere mir die 36 Zeichen des armenischen Alphabets und versuche unterwegs die armenischen Wegweiser und Ortstafeln zu entziffern, bevor ich mein Ergebnis mit den darunter in lateinischer Schrift ergänzten Namen vergleiche: mühsam, aber ab und zu doch erfolgreich!

Hayravank

Die Landschaft ist karg: flach, ab und zu leichte Hügel, mageres Gras mit etwas Gestrüpp, dazwischen einige brachliegende Ackerflächen, ab und zu einige Bäume, gelegentlich einige Schafe oder Pferde,  vereinzelte kleine Siedlungen oder ein einzelner Stall, zur rechten Seite am Horizont schneebedeckte Höhen, aber links immer das helle Blau des Sevan-Sees und dahinter der Hügelzug, welcher die Grenze zum immer noch oder wieder feindlichen Aserbeidschan bildet. Der schon rund 25 Jahre dauernde Streit um die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Exklave Nagorny Karabach (Berg-Karabach“) ist ja seit einigen Wochen einmal mehr wieder als offener Krieg ausgefochten, weil Aserbeidschan versucht, diese faktisch verlorene Region wieder zurück zu gewinnen.

Nach 30 km mache ich beim ehemaligen Kloster Hayravank eine erste Pause. Die kreuzförmige kleine St.Stephans-Kirche aus dem 9.Jh. thront auf einem kleinen Hügel direkt über dem See. Gemäss einer Legende soll 1381 der seinerzeitige Abt Hoshang mit einem Rest des Kreuzes Jesu’ Tausende gefangene Armenier in Tauben verwandelt haben, die so aus der Gefangenschaft des mongolischen Timur Lenk („Tamerlan“)  in die Freiheit fliegen konnten. Sehr schön sind die mit Kreuzen und Inschriften verzierten Säulen im Kirchenraum sowie draußen die vielen Katschkhars (Kreuzsteine) als Überbleibsel des Friedhofs. Sonst sind vom bis ins 19.Jh. betriebenen Kloster nur noch wenige Mauerreste übrig. Die Steine wurden im 20.Jh. in den umliegenden Siedlungen als Baumaterial gebraucht.

In einem geraden Straßen abschnitt taucht am Horizont ein Velofahrer auf, und es dauert gut eine Viertelstunde, bis wir
zusammentreffen und unsere Erfahrungen kurz austauschen können. Er ist Deutscher, vor 3 Wochen in Shiraz im Süden Irans gestartet und über Teheran, Rasht, Ardebil und Täbris nun auf dem Weg nach Deutschland, also auf einer Strecke, die ich in umgekehrter Richtung bis Teheran nun vor mir habe, allerdings mit mehr Nebenstraßen.

Nach 75 km erreiche ich in Martuni den einzigen grossen Ort am See ausser Sevan. Dank einem Netz von Bewässerungskanälen kann hier Obst- und Gemüsebau betrieben werden. Die Wälder am Fuß der angrenzenden Berge ermöglichen zudem auch Holzindustrie. Im Übrigen lädt die Stadt mindestens zu dieser Jahreszeit kaum zum Verweilen ein. Zwar Kleider- und Computergeschäfte, aber an meiner Strecke nirgends ein Café. So decke ich mich mit etwas Obst und einem Käsebrot ein und mache meinen verspäteten Mittagshalt bei der Kirche im kleinen Ort Geghhovit an der Straße Richtung Süden. Ein offensichtlich schon etwas betrunkenen Alter setzt sich zu mir und erklärt mir umfangreich, wo und wie er wohnt; dabei schaut er immer sehnsüchtig auf meine Schokolade. Ich gebe ihm ein rechtes Stück, muss dafür aber seinen Wodka probieren. So nehme ich wohlig aufgewärmt die Steigung zum Pass in Angriff. Knapp unter 2’400 m ist dieser aber eher ein gut 12 km langes zum Teil noch verschneites Hochtal. Am Ende öffnet sich eine ganz andere Landschaft: ein von Bergzacken umgebenes tief eingeschnittenes Tal mit steilen Flanken. Um 18 Uhr

34 km Talfahrt!

starte ich warm eingepackt zur Abfahrt auf der kurvenreichen Straße, die ich fast für mich alleine habe. Auf der gut 34 km langen Talfahrt muss ich kaum 2 km in die Pedalen treten und stosse 1’300 m tiefer auf die von Yerevan kommende Hauptstraße. In der naheliegenden Stadt Yeghenadzor komme ich aber doch noch recht zum Schwitzen, bis ich ganz zuoberst bereits in der Dunkelheit meine heutige Unterkunft erreiche. Die Geschichtslehrerin Ruzan betreibt hier mit ihrem Mann zusammen das B&B „Artak & Ruzan“. Die Familie mit der kleinen Tochter wohnt im Erdgeschoss, im oberen Stock stehen um einen zentralen Raum neben einem großzügigen Bad mehrere Zimmer für Gäste bereit, teilweise mit Balkon auf den Garten mit Reben und Obstbäumen hinaus. Ich bin auch hier der einzige Gast, aber gemäß Gästebuch ist das Haus in der Sommersaison gut besucht. Beim reichhaltigen Nachtessen mit Reis, Hackbraten, Salaten aus dem eigenen Garten und selbstgemachter Limonade aus Kirschen und Aprikosen lasse ich mir die Sehenswürdigkeiten der Umgebung erklären und bereite so die nächste Tagesetappe vor.

Mi, 27. April                                Yeghegnadzor – Sisian                                           82 km

Da heute wieder mehr als 1’000 Höhenmeter vor mir liegen, will ich früh starten. Gemäss Wetterbericht wird es auch regnen. Dank einem üppigen Morgenessen wird es doch halb neun, bis ich mich Ruzan und Artak zusammen mit ihrer kleinen Tochter verabschieden. Nach 14 km besorge ich mir in Vayk den üblichen Zwischenproviant: Fruchtsaft, Bananen und Yoghurtdrink. Ab hier beginnt die rund 30 km lange Steigung zum 2’344 m hohen Vorotan-Pass. Die Straße folgt zunächst im engen Tal dem

am Spandarian-Stausee

Arak, bis sie auf die weniger steilen Talflanken ausweichen muss. Es hat wenig Verkehr, aber auffallend sind Lastwagen und auch Busse mit Werbeflächen und Fahrzeugnummern in Farsi, also aus dem Iran. Nach knapp 4 Stunden bin ich auf dem Pass. Das Gelände ist noch zur Hälfte schneebedeckt, dunkelgraue Wolken und Nebel verhüllen die Berge, und kurz zuvor hat auch schon leichter Regen eingesetzt. Die Straße ist nun voller Löcher, also vorausschauend fahren! Der grosse Spandaryan-Stausee ist nicht ganz voll und zeigt dadurch in den flacheren Uferzonen sehr schön die unterschiedlichen historischen Sedimentschichten, die auch an steilen Straßenböschungen schöne Muster formen.

Ab und zu begegne ich Kolonnen von Militärfahrzeugen. Mein heutiges Etappenziel Sisian ist auch eine größere Armee-Basis, und in Zusammenhang mit dem benachbarten Nagorny-Karabach herrscht entsprechend mehr Verkehr. In der Umgebung der kleinen Dörfer unterbrechen frisch aufgebrochene Äcker das gleichmäßige Grün. Der riesige alte Raupentraktor hüllt beim Pflügen die Ebene laut knatternd in dunkelgraue Abgasschwaden.
Die nächste direkt an der Strecke liegende Stadt Goris ist zu weit, zudem liegt wieder ein Pass dazwischen. So zweige ich in Shaki rechts ab und erreiche nach steiler Talfahrt und kurzem Aufstieg auf einer weiten Ebene Sisian: schöne Umgebung mit blühenden Bäumen, aber am Rand dieses regionalen Zentrums dominieren halb verfallene leere Textilfabriken und eine düstere Asphaltfabrik. Das Hotel „Dina“ am Hauptplatz macht aber zwischen blühenden Kirschbäumen einen freundlichen Eindruck. Für 7’500 Dram (15 Fr.) bekomme ich ein Zimmer mit Dusche inkl. Frühstück.

Das Wetter wird etwas besser, also starte ich nach dem Duschen mit einem Taxi noch zu einem Ausflug. Der LonelyPlanet

die Vorotan-Schlucht mit Vorotnavank

empfiehlt die Vorotan-Schlucht mit dem Kloster Vorotnavank. Der Ausflug lohnt sich sehr, einerseits wegen dem wilden Tal mit seinen Hängen in allen Grün-Tönen und bunten Fels-Aufschlüssen, aber auch wegen dem auf einem Vorsprung liegenden burgartigen Kloster aus dem 9.-11.Jh.: die Basilika-förmige St.Stephans-Kirche mit mehreren Apsiden und die kleinere St.Karapet-Kirche mit kreuzförmigem Grundriss. Von den einst zahlreichen Fresken sind nur noch wenige erhalten. Eine Säulenhalle sowie einige Stein-Sarkophage weisen neben den vielen Verzierungen an den Außenwänden auf die eint grosse Bedeutung dieses Wallfahrtsortes hin. Weitere Bauten wurden beim grossen Erdbeben von 1932 zerstört und nicht mehr aufgebaut. Mein Chauffeur führt mich noch einige Kilometer weiter talabwärts bis zu dem gut 40 m hoch aufragenden Fels aus schwarzem Basalt mit der gut 2000 Jahre alten Burgruine Vorotnaberd, die dank dem Tunnel zum Fluss hinunter immer wieder als uneinnehmbare Festung gegen mongolische, persische und osmanische Invasoren galt. Mit einem Halt beim Turmgrab aus dem 7.Jh. in Aghitu bringt mich mein Fahrer Sanesch nach 2 Stunden zum Hotel zurück; all das für 4’000 Dram ( 8 Franken!).

Eigentlich möchte ich in einem Restaurant essen, aber beim Spaziergang durch den Ort wirken die 2 – 3 Restaurants wenig einladend: entweder leer oder trostlos und kalt. Im Hotel hat es immerhin noch einige armenische Gäste und ist warm. Aber von der ausführlichen Speisekarte gibt es schließlich nur Schweine-Schaschlik, Salat, Brot und immerhin auch einen guten Rotwein.

Do, 28. April                                                           Sisian – Tatev                      53 km

Ich starte um 9 Uhr wieder in Richtung Vorotnavank und nehme hinter Aghitu die Abzweigung nach Norovan, um gemäß meiner Planung die Hauptstraße Richtung Goris wieder zu erreichen. Zunächst mag die Bezeichnung „Straße“ noch knapp gelten, aber im kleinen Ort ist keine klare Fortsetzung sichtbar. Da hilft auch der „Kreisel“ nicht, der durch ein eingezäuntes Tännlein markiert ist. Eine Fahrspur zeigt in die richtige Himmelsrichtung, aber zum Fahren ist es zu steil. Immerhin stosse ich schließlich doch auf ein Trassee mit Asphaltresten, wo mich sogar ein knatternder Renault überholt. Erleichtert erreiche ich 14 km  und 2 Stunden nach dem Start endlich die Hauptstraße. Mit mäßiger Steigung erreiche ich nach einer Stunde den heutigen Übergang auf 2’170 m.ü.M. Statt des erwarteten Sonnenscheins begrüßt mich Nieselregen. Wenigstens ist hier die Straße sehr gut und würde eigentlich zur rassigen Abfahrt in das 800 m tiefer liegende Regionalzentrum Goris einladen wo ich mit Sicherheit eine Unterkunft finden würde. Aber Tatev lockt mich trotz Unsicherheit für die Nacht, und so zweige ich 8 km vorher rechts ab. Grosse Tafel künden den berühmten Ort und vor allem die „Wings of Tatev“ an. Diese von Doppelmayr/Garaventa konstruierte und 2010 eröffnete Pendelbahn ist mit 5’750 m schräger Länge die weltweit längste Seilbahn ihrer Art. Die 25 Plätze umfassenden beiden modernen Kabinen schweben an der tiefsten Stell noch gut 320 Meter über der Vorotan Schlucht, die hier  etwa 500 m tief ist. Mit der Bahn verkürzt sich die 15 km lange Fahrt auf der steilen alten Straße  auf eine gemütliche Fahrt von 11 Minuten Dauer.
Während ich mir noch überlege, als sportliche Herausforderung die Straße zu nehmen, beginnt es immer kräftiger zu regnen, und im dichten Nebel sehe ich kaum mehr den Straßenrand. Mein Entscheid für die „weiche Tour“ ist damit schnell gefällt; schon das Finden der Bahnstation ist trotz guten Hinweistafeln in diesem Nebel eine echte Herausforderung. Für mich und das Velo bezahle ich je 3’500 Dram (7 Fr.), aber zuerst muss ich mich bei einem heißen Kaffee im Restaurant der Station wieder etwas aufwärmen. Dafür lichtet sich  bei der Überfahrt kurze Zeit der Nebel, so dass ich auch etwas Tiefblick genießen kann.

In Tatev wartet in einem klapprigen Shiguli  (die russische Fiat-Variante) Hamlet (so heißt er tatsächlich!), und biete mir sein B&B an. Im strömenden Regen folge ich auf Karr wegen seinem Auto durch das Dorf mit vielen Gärten zu seinem Haus. An einem Ende offenbar neu angebaut, dies soll in einer Woche das neue B&B mit 5 Zimmern werden. Vorläufig hat er nur ein kleines 2-Bett-Zimmer neben dem Wohnzimmer und Küche im bisherigen Haus. Ich kann nicht heikel sein, sondern bin nur froh um einen trockenen und warmen Platz. Schnell wechsle ich in trockene Kleider und besuche zuerst das berühmte Kloster. Als eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten hat es  normalerweise sehr viele Touristen, aber dank dem schlechten Wetter bin ich heute fast allein.

Die Ursprünge des Klosters gehen auf das 5.Jh. zurück, die heute noch bestehenden 3 Kirchen entstanden im 9.Jh. Tatev war ein bedeutendes geistiges Zentrum der armenischen Kirche in der Abwehr gegen den römisch-katholischen Einfluss. Im 14. und 15.Jh war es auch eine der 3 armenischen Universitäten und beherbergte in seiner Blütezeit  rund 600 Mönche.
Die Anlage liegt unterhalb des Dorfes auf einem Bergvorsprung und ist von einer mächtigen Mauer mit Wehrtürmen umgeben. Innerhalb der talseitigen Mauer liegen zahlreiche Räume und Hallen, aus deren „Fenster“ man direkt in die Schlucht hinab sieht. Das Erdbeben von 1931 hatte auch hier grosse Teile der Bauten zerstört, aber seit 1960 wurde sehr viel wieder aufgebaut, und die Arbeiten gehen laufend weiter.

Neben der mächtigen Peter-und-Paul-Kirche  mit dem grossen Portalvorbau fallen die angebaute St.Gregor-Kirche sowie die beim Toreingang versteckte Astvatsatin-Kirche kaum auf. Aber schon nur die kunstvollen Ornamente und Schriften im Stein über den Portalen und an den verschiedenen Sarkophagen lohnen einen Besuch. Speziell ist auch die oktogonale 8 m hohe Steinsäule „Gavazan“ (Hirtenstab) aus dem 9.Jh. die angeblich bei leichten Erdstößen oder sogar schon bei leichtem Anstoßen schwingen soll; sicherheitshalber verzichte ich auf den Wahrheitstest.
Da es nicht mehr regnet, holt mich Hamlet zu einer Fahrt in den Grund der Vorotan-Schlucht ab. Die „Straße“ ist zwar breit,

alte Strasse nach Tatev

aber mit dem Velo wäre ich hier im Aufstieg sicher nur schiebend unterwegs gewesen: grober Schotter, tiefe Gräben –  auch der Shiguli hat immer wieder Bodenkontakt! Nach den vielen Kehren erreichen wir neben der Brücke zum ersten Mal wieder Asphalt. Der Vorotan zwängt sich hier schäumend durch bizarr ausgewaschene Felsen. Auf der gegenüberliegenden Flanke ist die Straße bereits mit Belag ausgebaut, aber vom instabilen Hang liegt häufig wieder Schutt auf der Fahrbahn. Zurück in Tatev lass ich mir von Hamlet noch den Beginn der morgigen Etappe zeigen: auch eine Schotterstraße mit vielen Löchern und Pfützen! Da sei mit dem Velo nicht zu schaffen, er könne mich mit dem Auto bis Kapaun oder sogar gleich bis Meghri, der letzten Station vor der iranischen Grenze, bringen. Ich lehne vorläufig höflich ab und will zuerst das morgige Wetter abwarten.

Ich lasse mich bei der Seilbahnstation absetzen und sammle im kleinen Info-Büro Tatev bei Kuchen und Kaffee eine Infos zur Region. Mittlerweilen ist es dunkel, Straßenbeleuchtungen hat es keine, und so finde ich das richtige Haus erst nach langen Umwegen. Dafür erwartet mich ein Währschaften Nachtessen mit Kartoffeln, gebratenen Teigwaren, Käse, vielen Kräutern, Lindenblütentee und – Wodka. Im Nebenraum sitzen Hamlets Kollegen, die ihm beim Ausbau des B&B helfen, beim Essen, mittlerweile aber vor allem beim Trinken. Ich muss mich zu ihnen setzen und kann nur mit Mühe den 4. Und 5. Wodka ablehnen. Wie die Männer anschliessend noch die halbe Nacht weiter arbeiten können, ist mir ein Rätsel. Ich verziehe mich lieber in mein Zimmer und versuche, auf der dünnen Matratze über den quietschenden schwachen Metallfedern doch schlafen zu können.

Fr, 29.April                           Tatev – Kajaran (Kadscharan)                            74 km
Und erfreulicherweise ist mir das trotz „Hängematten-Bett“ doch noch gelungen. Aber während ich packe, geht draußen wieder ein gewaltiges Gewitter nieder und der Donner widerhallt fast ununterbrochen von den Berghängen. Beim Morgenessen prüfe ich auf meinem iPhone die Wetteraussichten für die kommenden Tage: weiterhin viel Regen! Hamlet will mir wieder den Autotransport schmackhaft machen, aber als sich nach einer halben Stunde die Wolken doch etwas auflösen, steht mein Entschluss fest: ich schaffe das aus eigener Kraft. Beim Start um 9 Uhr tauchen sogar erste Sonnenstrahlen das Dorf und die nebelumwehten Felder und Berge in leuchtende Farben. Die „Straße“ ist zwar noch schlechter als am Vortag; zwischen kurzen Asphalt- oder Schotterabschnitten geht es durch Pfützen und Bäche, aber die Aussicht ist auch Lohn für alle Anstrengungen. Nach knapp 10 km erreiche ich auf 1’960 m den für heute höchsten Punkt. Nochmals eine letzte Aussicht auf das gegenüberliegende Tatev und die Vorotan-Schlucht uns starte vorsichtig zur ersten Talfahrt. Hier bin ich offensichtlich nun in der tiefsten Provinz Armeniens angekommen; Wald, Weiden, einige wenige Felder in der Umgebung der wenigen kleinen Dörfer mit armselig wirkenden Häusern und Scheunen. Wenn im Winter noch der Schnee dazu kommt und der Wind durch die dünnen Wände pfeift, muss das Leben hier sehr hart sein.

Ich muss den Lenker fest im Griff halten, um zu vermeiden, dass er mir bei der Fahrt über Reste von altem Belag oder Steinbett nicht aus den Händen geschlagen wird. Ein einziges Auto kommt mir entgegen; die Einheimischen wissen aber wohl sehr gut, wie sie eine Spur finden, ohne die Radachse oder die Ölwanne zu verdonnern. Im ersten flachen Talabschnitt besteht die Straße dann praktisch nur noch aus einem breiten Band von Wasserlachen und Schlamm, und bei einem kurzen Gegenaufstieg machen gerade Forstarbeiten die Straße zu einem einzigen Schlammbad. Auch Veloschieben wird fast unmöglich, denn der

es wird mühsam !

Lehm und kleine Äste blockieren bald beide Räder. Die Arbeiter mit ihren hohen Stiefeln beachten mich kaum; ihre schweren Holz-Transporter und Raupentraktoren machen diesem Streckenabschnitt nur noch ganz den Garaus. Mit Holzstücken kann ich dahinter die Räder wieder einigermaßen funktionstüchtig machen und nach kurzem steilen Aufstieg auch den Maschinenlärm hinter mir lassen. Vor mir liegen 20 km Talfahrt, zunächst weiterhin auf heikler Naturstrasse. In den wenigen Dörfern überwiegt der Eindruck von einem stetigen Verfall: leere Betonställe ehemaliger Kolchosen, Häuser, deren eine Seite bewohnt scheint, die andere aber mit eingedrücktem Dach und leeren Fensterrahmen, eine auf der rostigen Tafel als Sehenswürdigkeit bezeichnete Kirche aus dem 17.Jh, deren Tor  wegen eingestürztem Dach mit Brettern verrammelt ist, eine grosse, Wasserleitung, aus welcher es nach allen Seiten spritzt, . . .  einige Kinder vor einem einfachen Dorfladen oder ein junger Mann, der mir unterwegs auf dem Pferd mit dem daneben tänzelnden Füllen begegnet können den traurigen Eindruck etwas aufhellen.

Auf den letzten 5 km kann ich die Fahrt endlich auf einer guten Asphaltrasse genießen. In einem von OSZE, GEF und UNO-Organisationen unterstützten Projekt werden hier im fruchtbaren Talboden alte und vernachlässigte Bewässerungs-Systeme wieder aufgebaut. Andererseits verunstalten grosse Schutthalden aus neuen Bergwerken die sonst dichten Waldhänge. Der Abbau von Kupfer und Molybdän in der Region Syunik wird von der Regierung stark gefördert.

In Syunik stosse ich wieder auf die M2, die Hauptverkehrsachse durch den bergigen Süden des Landes.
Ich erwäge ein letztes Mal, statt der M2 ab hier die Nebenstrasse M17 durch den Arevik-Nationalpark zu nehmen; wäre landschaftlich sicher sehr lohnend, aber auf längeren Abschnitten ohne Hartbelag und mit Übergängen bis 2’500 m bei den eher düsteren Wetteraussichten doch sehr unsicher. Ich entscheide mich definitiv für die M2. Vor Kapan, der nächsten Stadt Richtung Westen, lasse ich mir an einer Waschanlage zuerst einmal das ganze Velo gründlich reinigen, womit es sich auch wieder leichter fährt. Kapan hat zwar einen hübschen Hauptplatz mit Blumen und mächtigen Bäumen, aber neben einigen Läden ausser dem grossen Reiter als Erinnerung an den Freiheitshelden David Bek aus dem 18.Jh. nichts Besonderes zu bieten. Bei einem Kaffee (endlich!) prüfe ich meinen weiteren Reiseverlauf und mache mich um halb vier auf den Weg nach Kajaran. So kann ich am folgenden Tag dann gleich den letzten Pass in Armenien in Angriff nehmen. Zweieinhalb Stunden später erreiche ich mit Einbruch der Dunkelheit mein Tagesziel. Die Bergbaustadt Kajaran am oberen Ende der Dzork-Schlucht wirkt in der nebligen Dämmerung und leichtem Nieselregen trostlos. Umso überraschender das schöne Zimmer im Hotel „Kajaran“, wo ich in der Wärme meine nassen Sachen ausbreiten kann. Im kleinen Restaurant gibt es keine Speisekarte, aber das Einheitsmenü „Gretschka“ (Buchweizenbrei mit Hackfleischballen) und Salat und kaltem Ratatouille ist auch ganz gut.

Sa, 30.April                          Kajaran – Meghri                           50 km

Die letzte Armenien-Etappe beginnt um 08.45 Uhr mit einem steilen Aufstieg. Nach dem nächtlichen Regen zeigt sich durch

Kadscharan

die Nebelfetzen schon etwas Blau. Es hat nur wenig Verkehr, aber darunter viele iranische Tanklastwagen und ab und zu iranische Lieferwagen. Am Straßenrand hat es auch schon deutlich mehr Werbe- oder Infotafeln in armenischer Schrift und in Farsi. Die Abbau von Molybdän und Kupfer hat den ganzen Hang über Kajaran aufgebrochen und lässt großräumig terrassierte Halden und Gruben zurück, in denen riesige Bagger immer noch weiter nach diesen Erzen schaufeln. Erst in der zweiten Hälfte des Aufstieges kann man wieder kaum berührte Natur und ohne Maschinenlärm genießen. Nach 13 km und 800 Höhenmetern erreiche ich um 11 Uhr auf 2’535 m.ü.M die Passhöhe, und nach kurzem Halt beginnt wieder eine lange Abfahrt in das Tal des Meghraget hinunter. Die Straße ist zunächst so gut und den langen Hängen entlang so übersichtlich, dass ich das Velo mit 65 km sausen lassen kann. Die Freude hält aber nicht lange, denn bald häufen sich wieder die Schlaglöcher. Allmählich wird es wärmer, und immer mehr Bäume und Sträucher zeigen schon das hellgrüne Frühlingslaub und erste Blüten. Schluchtartige
Abschnitte wechseln mit breitem Talboden mit Wiesen und einzelnen Äckern. Ab 1’000 m beginnen auch die Nussbäume und Feigensträucher. Die Berghänge weisen aber viel weniger Vegetation auf als die bisherigen Strecken. Das Klima ist hier deutlich trockener. Tafeln weisen auf von der Weltbank unterstützte Bewässerungsprojekte hin, Resultate sind aber noch kaum zu sehen.

Um 13 Uhr erreiche ich mein heutiges Ziel Meghri. Der Hauptteil der Stadt liegt steil auf der anderen Seite des Meghraget, da komme ich recht ins Schwitzen, bis ich das Velo zum zentralen Platz gestoßen habe! Eine Verkäuferin zeigt mir die Richtung zum „Häre B&B“, und nach 900 m erwartet mich Marieta Azatyan bereits an der Abzweigung zu ihrem Haus, denn die Verkäuferin hat bereits gemeldet, es irre ein Velofahrer auf der Suche nach einem Zimmer im Ort umher. Ich habe mein eigenes kleines Zimmer mit Zugang direkt vom Innenhof mit Garten und vielen Obstbäumen. Ausser mir sind noch 4 Russen in einem Gemeinschaftszimmer. Nach Duschen und Waschen unterziehe ich mein Velo einer gründlichen Reinigung, damit es auch im Iran wieder gut rollt.

Die südlichste Stadt Armeniens liegt wie in einem Amphitheater am Hang, bergseitig begrenzt durch einen steilen Felsgrat mit

Meghri

einer Burgruine aus dem 11. Jh. Und einem mächtigen Wehrturm. Im Zentrum liegt die aus dunklen Basaltblöcken gebaute schöne Astvatsatsin Kirche mit im Innern sehenswerten bunten Fresken aus dem 19.Jh. Oberhalb des Vorplatzes beeindrucken aus Natursteinquadern gebaute neuere Gebäude. Schade für das Gesamtbild von Meghri sind aber die sechs 8-stöckigen Plattenbauten am oberen Ortsrand, die wohl im Zusammenhang mit den baufälligen Industriebauten auf der gegenüberliegenden Talseite erstellt wurden. Spielende Kinder zeigen mir den Schleichweg zum Wehrturm hinüber, von wo sich eine gute Übersicht zum Grenzfluss Arak bietet, hinter dem sich die braunen kahlen iranischen Berge erheben. Abschließend besuche ich noch die halb Reste Lage des Hovhanna-Klosters gleich bei meinem B&B. Die Kirche mit ihrer Kuppel ist gesperrt, aber offensichtlich sind doch auch Restaurationsarbeiten im Gange; die Anbauten scheinen aber immer noch als Viehställe genutzt zu werden.

Zum Nachtessen steige ich über eine an einen Kurpark erinnernde Treppenanlage zum Restaurant Falanga an der M2 hinunter: Der Bau erinnert zwar eher an ein Casino, aber das Essen ist gut. Zurück im B&B stosse ich zum Erfahrungsaustausch auch noch auf ein junges russisches Paar, das zu Fuß und per Bus und per Bahn  Armenien bereist. Ein Rest der in der ehemaligen Sowjetunion weit verbreiteten Reiseart.

So, 1.Mai                              Meghri  (Armenien) – Kharvana (Iran)                                              70  km

Wieder hat es nachts geregnet, aber der Tag kündigt sich schon wieder besser an. Heute beginnen meine Iran-Etappen, also fertig mit kurzen Hosen, mindestens in bewohnten Gebieten. Marieta Azatyan hat ein ausgezeichnetes Frühstück bereit, mit hausgemachter Rosen-Marmelade als besondere Spezialität. Wie an den vorhergegangenen Tagen versuche ich auch heute, mir noch einige Farsi-Buchstaben einzuprägen, da ich wohl schon bald verschiedene Wegweiser nur noch so werde entziffern können.

an der Grenze

Um 9 Uhr starte ich mit etwas Zwischenproviant zum Grenzfluss Arak hinunter und diesem entlang flussaufwärts. Ein massiver Drahtzaun mit Elektrodraht  sperrt die Straße vom Vorland des Flusses ab. Wegen Beobachtungstürmen verzichte ich sicherheitshalber aufs Fotografieren. Die oberhalb der Straße verlaufende Bahnlinie Eilet – Culfa mit ihren zahlreichen Galerien ist als Folge der Kriege zwischen Armenien und Aserbeidjan seit 1995 stillgelegt und rostet nun vor sich hin.

15 km nach dem Start stehe ich am armenischen Grenzübergang Bagaric. Mit den Saccochen komme ich nur mühsam durch den engen Eingang ins Gebäude. Drinnen muss ich sämtliches Gepäck vom Velo nehmen und durchleuchten lassen. Ob ich es wieder aufladen könne oder ob es auf der iranischen Seite nochmals durchleuchtet werde, frage ich. „Nein, nein, das ist schon fertig“. Also befestige ich die Saccochen wieder gut und schiebe das Velo an der iranischen Patrouille auf der Brückenmitte vorbei. Das iranische Grenzgebäude sieht sehr neu aus. „Welcome to Iran“, begrüßt mich der Uniformierte vor dem Eingang und öffnet mir die Türe. In der grossen Halle weist er mich zu einem Schalter,  von dem mich ein weiterer Beamter schon heranwinkt. Ausser mir ist kein Zivilist sichtbar. Auch hier wieder: „Welcome to Iran“. Ich lege ihm meinen Pass inkl. Visa vor, er blättert alles gründlich durch, fragt mich nach Personalien, Ort der Visa-Erteilung, meinem Woher und Wohin, wie lange und weshalb . . . und ruft schließlich einen weiteren Beamter herbei, der mich mit Händen und Armen zum Abladen des Gepäcks auffordert: alles wird auch hier wieder durchleuchtet. Dann nochmals den Pass studieren und schließlich abstempeln. Für den Geldwechsel weist er mich in die Außen halle, wo ich meine restlichen 700 Dram und 300 Euro gegen 11’400’000 Rial wechsle: ein rechtes Pack Papier! Eine halbe Stunde nach der Ankunft am armenischen Zoll stehe ich auf dem grossen Parkplatz mit wenigen PW’s und Lastwagen. Auf einer grossen Tafel begrüßen mich milde lächelnd die beiden Überväter des heutigen Iran: sein Begründer Ayatollah Kodein und sein aktueller Amtsnachfolger und heutiger Landesfürst Ali Khamenei, zwischen ihnen Staatspräsident Rohani.

„Welcome to Iran!“

>>  Fortsetzung folgt voraussichtlich im Herbst 2019 . . .

2 comments on “ARMENIEN – IRAN 2016”

  1. Lieber Peter Manz
    Wir gratulieren zu dieser Supertour mit dem Fahrrad und wünschen viel Vergnügen, interessante Begegnungen, gutes Radlerwetter und natürlich keinen Plattfuss. Freuen uns jetzt schon auf einen Vortrag mit Bildern in Geuensee.
    Gute Fahrt.
    Helmut und Emma Wechlin
    Büron

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