Tour de Corse 2014

7. - 18. September 2014

  • P1020044
  • P1020043
  • P1020039
  • P1020028
  • P1020034

Tour de Corse 2014

Mit dem Velo rundherum und quer durch die bergige Insel in 12 Tage von Bastia bis  Bastia

7. – 18. September 2014

Strassen mit meistens wenig Verkehr und immer wieder neuen Aussichten;
viel Natur, malerische Dörfer, schöne Städte und Städtchen, gutes Essen
9 Etappen mit 860 km und 11’600 Höhenmetern

 

zu den Bildern der Tour : Tour de la Corse

zum Reisebericht

So, 7.September

Mit der Bahn ab Sursee nach Olten, dort im EC via Simplon. Gegen den Protest des Kondukteurs zwänge ich mein in die Velotasche verpacktes Velo im  Gepäckabschnitt des Wagens zwischen die Koffer (man sollte eigentlich fürs Velo reservieren!). Ab Milano Centrale bringt mich Trenitalia nach Savona westlich von Genua. Leider liegt der neue Hafen Vado 7 km weiter westlich, sodass ich nur per Taxi noch rechtzeitig die Corsica Ferry erreiche. Um 14.30 Uhr kann ich bei der Abfahrt endlich in Ruhe auf dem grossen Oberdeck die Sonne und ein kühles Bier geniessen . . . Bei der Ankunft um 19.45 Uhr ist es in Bastia schon dunkel. Im nahen Hotel UNIVERS kann ich die Velotasche bis zum Ende der Tour deponieren: Das Velo nehme ich ins Zimmer im 2.Stock, da vor dem Hotel vor kurzem 2 abgeschlossene Velos gestohlen worden waren.

Mo, 8.September

Nach einer kleinen Rundfahrt im Stadtzentrum gehts los entlang der Küste Richtung Norden. Strasse eng, viel Verkehr, aber meistens rücksichtsvolle Autofahrer. Dazu gibt es nach jeder Kurve wieder neue Aussichten auf die Küste mit den vielen Stränden und ab und zu einem Wachtturm aus der genuesischen Herrschaft über die Insel. In Macinaggio kaufe ich eine Michelin-Strassenkarte, die vil mehr Details zeigt als die Kümmerly+Frey Karte 1:180’000. Ab hier gehts nach dem bisherigen Auf und Ab 10 km lang  aufwärts bis zum Pass auf 366 m.ü.M. Ab Bastia sind auch viele Velofahrer unterwegs, aber ausschliesslich „Gümmeler“ und natürlich ohne Ballast! Die Abfahrt an die Westküste der Cap Corse Halbinsel ist Genuss pur. Ab Pino beginnt wieder das kurvige Auf und Ab auf schmaler Strasse, wo es wegen Cars, die kaum kreuzen können oft Stau gibt. In Nonza empfängt mich im „Relais du Cap“ direkt am Strand der Wirt mit kühlem Rosé und kleinen Häppchen, dann folgt ein kühlender Schwumm, während die Sonne  ins Meer versinkt. Das örtliche Restaurant hat bereits Winterpause, aber der Wirt leiht mir seinen Renault für die Fahrt ins 9 km entfernte Marine de Farinole, wo ich im „L’Aubade“  meinen Kalorienspeicher nach 99 km und 1’110 Höhenmetern sehr gut und günstig wieder auffüllen kann.

Di, 9.September

Nach dem sehr reichhaltigen Frühstück mit Meersicht gehts der steilen Küste entlang weiter bis Saint-Florent („San Fiurenzu“ auf korsisch) mit grossem Yachthafen und schöner Altstadt, aber auch sehr vielen Touristen. Hier beginnt die heutige Bergetappe über die „Désert des Agriates“, einem einsamen felsigen Gebiet mit Macchia-artiger spärlicher Vegetation, zum Teil militärisches Übungsgebiet, bis zur 366 m hohen „Bocca di Vezzu“ mit steiler Abfahrt zur Hauptstrasse N1197. Mit  deutlich mehr Verkehr  erreiche ich den Touristenort L’Ile Rousse mit seiner imposanten Zitadelle. Da ich zeitlich gut dran bin, wähle ich den zwar schweisstreibenden Umweg über Corbara-Pigna-Cateri: fast maurisch anmutende Dörfer, alte Klöster und immer eine tolle Aussicht über die Hügel der Balagne (erinnert an die Toskana) hinunter zum blauen Meer. Die lange Abfahrt von Cateri  endet in Lumio wieder im dichten Verkehr bis Calvi. Damit bin ich endgültig im Touristenstrom angekommen, der hier die Altstadt mit Denkmälern aus griechischer und römischer Zeit heimsucht. Beherrscht wird das Bild durch die mächtige Zitadelle aus dem 14.Jh., in deren Gassen  ich am Abend bei einem Konzert den polyphonen urtümlichen korsischen Gesang der Gruppe „A Filetta“ geniesse

Mi, 10.September

Nach einem Frühstück in der langsam erwachenden Altstadt starte ich um 8 Uhr mit reichlich Getränkevorrat zur Etappe nach Cargèse. Hier gibt es nur wenige Dörfer und endlich auch nur sehr wenig Verkehr. Nach vielen kleinen Übergängen folgt nach der Brücke von Galéria der erste Aufstieg zum 400 hohen „Col de Palmerella“. Die Strecke scheint trotz der schlechten Qualität bei den Gümmelern beliebt zu sein. Immer wieder geht es von steilen Bergflanken tief in enge Seitentäler hinein, was mich sofort an Albanien erinnert. Die phantastischen Tiefblicke belohnen alle Anstrengungen. In Porto beginnt der letzte grosse Aufstieg des Tages (400 m). Leider nimmt auch der Verkehr massiv zu, denn die „Calandes de Piana“ sind eine touristische Attraktion: Bizarre von Wasser und Wind geformte bunte Felsen. Auf der engen Strasse gibt es wegen den Cars ständig auch lange Verkehrsstaus, mit dem Velo kann ich mich aber zwischen blockierten Fahrzeugen und  den eifrig knipsenden Touristen einigermassen durchschlängeln. In Piana nehme ich mir angesichts dunkler Regenwolken im „Hotel des Calandes“ ein Zimmer  (50 Euro). Wahrscheinlich besser als bei einbrechender Nacht in Cargèse etwas zu suchen . . .

Do, 11. September

Der Tag beginnt nach einem kurzen Aufstieg mit fast 15 km Abfahrt über 500 m nach Cargèse hinunter. Weiter geht es gemütlich 23 km dem Meer entlang . Aber ab Tiuccia braucht es wieder Kraft für die 400 m Aufstieg. Dafür  folgen auf den letzte 20 km bis Ajaccio nur noch kleine Steigungen. Ein heftiges Gewitter zwingt mich in der Ebene oberhalb Mezzavia zu einem Kaffehalt, bevor ich nach einem letzten Aufstieg am Statdrand mein heutiges Ziel Ajaccio erreiche.  Die heutige Etappe mit total 73 km ist insgesamt eher gemütlich, und es bleibt ausgiebig Zeit für  Besichtigungen in der Heimat von Napoleon Buonaparte, an den ausser mit dem mächtigen Reiterstandbild vor der Kathedrale Notre-Dame-de-la-Miséricorde auch mit zahlreichen kleineren Statuen und Inschriften erinnert wird. Zum Glück gibt es aber auch zahlreiche kleine Plätze und Gassen mit gemütlichen Bistros zum einfach Ausruhen und Geniessen bei einem kühlen Bier.

Fr, 12.September

Auf dem Markt auf der Place Foch duftet es verführerisch nach würzigem Käse und allerlei Wurst und Trockenfleisch, aber um halb 9 muss ich die kleine Stadtrundfahrt doch abbrechen. Der Veloweg ist leider sehr schnell zu Ende, ich muss definitiv in den dichten Morgenverkehr eindringen. Nach 12 km kann ich endlich von der N196 abzweigen und auf der D302  mit sehr wenig Autoverkehr 15 km durch Wald bis zum 640 m hohen Übergang bei Bisinao aufsteigen. Nach 15 km Abfahrt  folgen noch fast 50 km ohne Steigungen. Im ersten Teil bis zum Meer bläst mir dafür ein kräftiger Gegenwind ins Gesicht. Bei Abbartello schalte ich im Schutz grosser Felsbrocken eine Siesta ein. Zum Glück weckt mich nach einer Stunde mein Handy aus tiefem Schlaf, weil sich irgend ein Walliser bei der Telefonwahl vertippt hat. Leider geht es nun bald wieder auf der verkehrsreichen N196 weiter. Bei Propriano kann ich sie  über die Ortsdurchfahrt kurz verlassen, aber im Val Rizzanese gibt es keine Ausweichmöglichkeit mehr. Zum Glück ist die Strasse aber nun breiter, und mit Beginn der Steigung hat es sogar oft 3 Spuren. In Sarténe verschafft mir das Verkehrsbüro ein Zimmer im Hotel „U Listinen“ unterhalb des Städtchens. Zum Nachtessen spaziere ich wieder in den historischen Ort hinauf und geniesse nach einem kühlen Rosé auf dem Hauptplatz und ausgedehntem Erkunden der engen steilen Gassen im „Un Artane“ ein gutes korsisches Nachtessen. Nur schade, dass die angekündigte Live-Musik fehlt!

Sa, 13.September

Erst  gegen 8 Uhr taucht der Wirt im Pyjama zum bestellten Morgenessen auf. Croissants kommen leider erst gegen 9 Uhr! So gibt es einfach etwas mehr Brot, kostet auch1 Euro weniger.  Das pain au chocolat hole ich in Sartène nach und decke mich auch gleich mit Süssgebäck und Flüssigkeit für den heutigen Tag ein.
Auf der Karte habe ich eine Alternative zur verkehrsreichen N196 gefunden, bin aber nicht sicher, ob diese Route zur D59 durchgehend befahrbar ist; auf den letzten 10 km am Ende des steilen Tales ist sie nur als Weg eingezeichnet. In Sartène kann mir nicht einmal das Verkehrsbüro Auskunft geben, also einfach probieren!
Auf der D65  geht es durch die Aussenquartiere von Sartène und dann durch lockeren Wald6 km  aufwärts bis zur grossen Sportanlage Foce und dann 8 km abwärts mit der Verzweigung  beim Gehöft Bilzese auf die D265. Die bisher gute Belagsstrasse endet 2,5 km weiter bei der Siedlung Bucazzone; die Fortsetzung  besteht aus einer durch verschiedene Fahrspuren gebildete Piste über Weideflächen; zu Glück ist es trocken, andernfalls wäre hier das Fahren wohl kaum möglich. Mit der ständigen Steigung bleibt es auch so genügend anstrengend! Ein franz. Allrad- SEAT überholt mich, aber der Fahrer kann mir auch keine Auskunft geben, wie die Fortsetzung ist. Immerhin kehrt er nicht zurück, also muss es auch mir gelingen. Nach 8 km Aufstieg taucht hinter einer Ortstafel „Radici“ eine Häusergruppe auf.Zwar scheinen fast alle Häuser unbewohnt zu sein, aber immerhin gibt es jetzt wieder eine Asphaltstrasse, die nach einem Kilometer in die vom Col de Mela kommende D59 mündet: Damit ist der Durchbruch also geschafft! Nach eineinhalb Kilometer erreiche ich auf 810 m den heutigen Höchstpunkt und kann zur langen Abfahrt starten, ständig mit grossartiger Aussicht in tiefe Schluchten und in der Ferne das Meer. Denkmäler erinnern an den langen Kampf der Résistance gegen die deutsche Besatzung unter Rommel. Die Abfahrt endet erst nach 15 km mit der Einmündung an die von Porto Vecchio kommende D259. Die Fahrt durch die hügelige Gegend ist in der Nachmittagshitze ermüdend, für Pausen spenden die knorrigen Korkeichen etwas Schatten. Die verschiedenen Aufstiege von lediglich 50 – 100 m kommen mir  nun riesig vor. Hinter der „Ermitage de la Trinité“ taucht endlich das auf einem Felssporn liegende Bonifacio auf. Nach einem letzten Steilaufstieg ab dem pompösen Yachthafen erreiche ich das heutige Ziel und finde trotz den vielen Touristen mitten in der Altstadt im „Hotel Colombe“ auch gleich noch ein sehr schönes Zimmer. Mit einem Rundgang zur Zitadelle und durch die steilen Klippen über die „Escalier Louis d’Aragon“ im Gischt der mächtigen Wellen zur „Grotte de Sdraganata“ beschliesse ich die erste Erkundungstour. Bei der Rückkehr vom Nachtessen um 22.30 Uhr scheint die Stadt fast ausgestorben; eine wohltuende Ruhe nach der ganzen Touristenflut!

So, 14.September

Frühstück gibt es frühestens ab 8 Uhr, aber der Réceptioniste serviert mir zum Start der heutigen Etappe schon um halb 7 einen kräftigen Espresso. Die Stadt scheint noch zu schlafen, nur unten im Yachthafen werden schon die ersten Schiffe zur Ausfahrt bereit gemacht. Nach kurzem steilem Aufstieg zweige ich von der gestrigen Anfahrt auf die N198 Richtung Porto Vecchio ab und kann mir schon eine knappe Stunde später am dortigen Hafen eine knusprige Ficelle und noch warme pains-au-chocolat gönnen. Auf dem grossen Markt in der Altstadt wimmelt es schon wieder von Touristen. Um 10 Uhr starte ich auf der D368. Ab Palavese  beginnt der lange Aufstieg; der grösste Teil ist im Wald, es hat kaum Autos unterwegs, aber dafür kommen mir schon die ersten Gümmeler entgegen. Nach 2 1/2 Stunden erreiche ich auf 960 m.ü.M. das Hochtal  mit dem Stausee von Ospedale , eine mit dem von Felsen durchsetzten Föhrenwald fast skandinavisch anmutende Landschaft. Einige Kilometer nach der Staumauer weist ein Schild auf den „Picie de chigghieddu“ (=“Hahnenpisse“) hin, einen etwa 70 m hohen Wasserfall, hin. Der gut halbstündige Spaziergang dorthin lohnt sich auch wegen der bizzarren Felsbrocken unterwegs dorthin. Auf 995 m.ü.M. beginnt die lange Abfahrt durch den Wald nach Zonza und mit kurzem Gegenaufstieg nach Quenza. Das Schloss sowie die ältesete durchgehend benutzte Kirche Korsikas (11.Jh.) erinnern an die Zeit, als von Quenza aus grosse Teile der Insel beherrscht wurden. Um 18.40 Uhr erreiche ich mein Tagesziel Aulène, aber hier sind alle 3 Hotels ausgebucht, vor allem durch ganze Gruppen von Gümmelern mit Begleitfahrzeugen. Im dritten Hotel empfiehlt mir der Receptionist eine Auberge hinter dem Col de la Vaccia und erkundigt sich dort telephonisch auch gleich, ob überhaupt etwas frei sei. Zum Glück:Ja! Also nochmals in die Pedalen treten  und in der Dämmerung  11 km zum Pass hoch trampen; zum Glück habe ich eine gute Lampe und sehe jeweils die auf der noch warmen Strasse liegenden halbwild  gehaltenen Schweine jeweils rechtzeitig. Beim Erreichen der Passhöhe (1185 m) ist es schon stockdunkel. Nach 1 1/2 km komme ich in der Auberge-Ferme an und bekomme auch zu später Stunde noch ein ausgezeichnetes Essen mit Polenta und Ragout, bevor der Wirt um 22 Uhr den Generator abstellt und nur noch Taschenlampen oder Kerzen brennen.

Mo, 15.September

Das üppige Nachtessen und der unruhige Hütehund mit Glöcklein am Hals schränken die nächtliche Erholung stark ein, aber der Tag beginnt zum Glück mit einer Abfahrt. Auch die ersten Gümmeler-Gruppen sind schon unterwegs, die sich per Bus auf den Pass führen liessen. Im Aufstieg zu Bocca der Verde  (1295 m) sind bis  Cozzano noch einige unterwegs, aber dann bin ich im dichten Wald nur noch alleine. Auf dem Pass sind viele Wanderer unterwegs, denn hier kreuzt der Weitwanderweg „Mare a Mare“ meine Route. Auf den 18 km Abfahrt  freue ich mich vergebens auf einen Kaffee in Ghisoni; wie auch in vielen anderen Orten abseits der Küste ist Mitte September die Saison vorbei, die Touristen und Ferienhausbesitzer abgereist, und so sind auch die meisten Häuser in diesen Dörfern verlassen und Einkaufsmöglichkeiten höchstens noch am Morgen einige Stunden offen.
Da es erst 13 Uhr ist, wähle ich trotz beginnendem Gewitter  statt dem direkten Weg  über den Col de Sorba die längere (und bergigere!) Route über  Vezzani. Die Talfahrt geht so nochmals 11 km weiter durch eine teils enege Schlucht bis auf 260 m hinunter, dann auf einer Schotterstrasse (D364A) ins Tagnone-Tal hinüber und auf der D343 nach Vezzani hinauf. Sogar in diesem doch schon grösseren Ort ist alles geschlossen. Ein Einheimischen erklärt mir das ganz einfach: „In Korsika will niemand unnötig viel arbeiten“ Voilà! Über Rospigliani und Noceta erreiche ich die D143 und wähle statt dem direkten Weg nach Corte den etwas weiteren Weg über die stark befahrene N200, da ich mir so einen weiteren Berg mit nochmals 500 m Aufstieg ersparen kann.
In Corte sind sämtliche Hotels besetzt (Wochenende!), aber im ebenfalls ausgebuchten „Deux Colombes“ erhalte ich Bescheid, dass in der Auberge „Ghjeddu“ soeben eine Reservation annulliert wurde. Also nochmals 3 km zurückfahren, und dafür bekomme ich ein sehr schönes Zimmer auf dieser Ferme-Auberge und gleichzeitig eine Reservation für die zweite Nacht im Hotel „Artena“ in Restonica-Tal unmittelbar neben Corte. So kann ich mich heute Abend beim Spaziergang in Corte mit Nachtessen und einem tollen Konzert der Vokalgruppe „Meridianu“ von der anstrengenden Etappe erholen.

Di, 16.September

Den heutigen Tag habe ich mir für einen Ausflug  per Bahn reserviert. Die „Chemins de Fer de la Corse“ transponieren keine Velos, also muss ich mich mit einem Spaziergang begnügen. Allein die einstündige Fahrt mit den einfachen ständig rüttelnden Schienenbussen durch die tiefen Täler und den 3 km langen Tunnel ist aber diesen Abstecher wert. Bei spektakulären Tiefblicken realisiere ich erst, wie gut mein Entscheid in Ghisani am Vortag war: die Route über den Col de Sorba wäre noch viel steiler gewesen.Im kleinen Dorf Bocognano  hinter dem Tunnel  gibt es ausser der alten Mühle unterhalb des Dorfes nichts besonderes zu sehen, für einen Ausflug zum „Brautschleier“-Wasserfall reicht die Zeit ohne Velo nicht. So aber ich geniesse ich einfach die Ruhe und Erholung in den felsigen Föhrenwäldern.
Nach der Rückfahrt bleibt mir dafür Ausgiebig Zeit für die Besichtigung der ehemaligen Hauptstadt und besonders dem sehr lohnendem Museum zur Korsischen Geschichte und Tradition. Den Abschluss bildet der Besuch der mächtigen Zitadelle mit dem Adlerhorst, von dem aus man die ganze Stadt aus der Vogelperspektive zu sehen ist

Mi, 17.September

Für die letzte Etappe wähle ich von Corte aus die Nebenstrasse D18 über den Col Castirla . Ich kann so den grossen Morgenverkehr  Richtung Norden vermeiden , eine ruhige Fahrt durch ein schönes Tal erleben und unterwegs wilde Brombeeren geniessen. Ein Denkmal erinnert an einen vor wenigen Jahren durch Separatisten erschossenen Polizei-Offizier. Inzwischen ist es politisch dank  kleinen Autonomie-Zugeständnissen der Regierung in Paris ruhiger geworden, aber die vielen zerschossenen Ortstafeln und Wegweiser auf der ganzen Linie bezeugen immer wieder die korsische Schiessfreudigkeit. Und vielerorts sind die französischen Ortsnamen mit schwarzer Farbe verschmiert. Vom Pass auf  650 m.ü.M geht es bis zur Küste nur noch abwärts. Das Dorf Castirla scheint wie an den steilen Hang geklebt, ausser der Hauptstrasse scheint es statt Strassen nur Treppen zu geben. Ab Francarlo stosse ich wieder auf die verkehrsreiche N193 und habe bis in die Küstenebe keine Ausweichroute mehr. Ab Ponte Leccia  wird die Strecke im breiter werdenden Tal auch eintönig; ein Highlight ist nur noch das  etwa 3 m hohe Velo am Strassenrand in Barchetta. Für den Rest der Strecke bis  Bastia wähle ich die Nebenstrassen entlang der Küste und kann so unterwegs auch noch die imposante Kathedrale „La Canonica“ aus dem 11.Jh. sowie die daneben liegenden römischen Ausgrabungen besichtigen, für die ein gigantisches Museumsprojekt vorliegt.  Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meer und dem Étang de Biguglia säumen Landwirtschaftsflächen und Ferienhaus-Siedlungen die monotone Strasse. Wirklich schön ist nur das nörfliche Ende mit dem Naturschutzgebiet. Für die letzten 7 km bis Bastia bleibt mir nur die N193 bis zum Tunnel unter der Zitadelle. Von hier aus erreiche ich durch die Altstadt schliesslich wieder die Place Saint Nicolas, von wo aus die Rundreise 10 Tage zuvor begonnen hat.

Do, 18.September

Nochmals übernachten im Hotel Univers, am Morgen  gleich die Abendfähre nach Savona buchen, und dann nochmals in aller Ruhe durch die Strassen von Bastia spazieren, auf dem Markt etwas Souvenirs kaufen (sogar den scharfen stinkenden braunen Käse, der laut Asterix die beste Waffe der Korsen gegen die Römer war: er hatte zweifellos recht!) , um 20 Uhr mit dem diesmal unverpackten Velo auf die Fähre und am frühen Morgen wieder auf den Zug in Savona. In Genua reicht es noch für eine halbtägige Stadtbesichtigung bis zur definitiven Heimreise via Milano und Simplon.  Im EC ab Milano stelle ich ohne Reservation mein Fahrrad in das für 2 Velo vorgesehene Abteil an der Zugspitze. Und so fährt es mit mir nach Hause, ohne dass jemand nach der eigentlich dafür benötigten Fahrkarte gefragt hätte . . .

Einige allgemeine Infos:

Unterkünfte: einfache 2 -Sterne-Hotels gibt es fast überall; abseits der Küste  sind  viele aber nur in der Hochsaison (Juni – Mitte September) offen.
Nicht billig (mit Frühstück 50 –  90 Euro)!
Reservation telefonisch oder über booking.com am Vortag empfohlen

Camping: Wild zelten eigentlich verboten, aber getarnt möglich

Karten: für detaillierte Darstellung am besten Michelin-Karten vor Ort kaufen

Meine Kosten: Bahntransport: 190 Franken Sursee-Savona-Sursee)
                           Fähren :   145 Euro (Savona-Bastia-Savona)
                           Rundtour: 1’160 Euro (davon rund 750 für Hotel!)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.